Iyengar Yoga

Iyengar Yoga: alles was du über den Yogastil Iyengar Yoga wissen musst in diesem Artikel und in unserem Blog. Iyengar Yoga ist streng: korrekte Ausrichtung der Asanas und der großzügige Einsatz von Hilfsmitteln kennzeichnen den Yogastil nach B.K.S. Iyengar. Die besten Übungen aus dem Yoga werden in diesem Yogastil mit Yogazubehör wie Yogablöcken auch Anfängern und Verletzten zugänglich gemacht. Iyengar Yoga ist streng doch dafür lernst du die Yoga Übungen in präziser Ausrichtung auszuführen. Welche anderen Stile es im Yoga noch gibt, kannst du in unserem Artikel über Yoga Arten nachlesen – vielleicht ist es Iyengar Yoga, das dich anspricht oder aber ein ganz anderer Stil wie das schweißtreibende Power Yoga?!

Iyengar Yoga
Yoga nach B.K.S. Iyengar von Grund auf erlernen

Yoga is a light, which once lit, will never dim. The better your practice, the brighter the flame.

B. K. S. Iyengar

Wieso heißt der Stil Iyengar Yoga?

Weil er nach seinem Begründer B. K. S. Iyengar benannt wurde. Der Inder wurde 1918 geboren und war schon als Kind kränklich und schwach. Sein Vater schickte ihn daher zu seinem späteren Schwager, dem damals sehr bekannten Yogi Krishamacharya. Dort lernte er von ihm die Asanas und sein Gesundheitszustand verbesserte sich deutlich, bis er vollkommen gesund war. Auf Anregung von Krishamacharya ging Iyengar nach Pune, um dort selbst Yoga zu unterrichten. Dort feilte Iyengar im Eigenstudium weiter an den korrekten Ausführungen der Asanas und setzte hierzu großzügig Hilfsmittel aller Art ein. So kreierte er seinen ganz eigenen Yogastil und sein Bekanntheitsgrad stieg nach und nach an.

Er wurde schließlich vom Geiger und Dirigenten Yehudi Menuhin aufgesucht der sich von Iyengar im Yoga unterrichten ließ. Gemeinsam mit ihm verließ er Indien, um auch in anderen Teilen der Welt seinen Yogastil zu unterrichten. 1966 veröffentlichte er sein weltbekanntes Buch “Light on Yoga”, welches auch heute noch als Standardwerk für alle Yogalehrer gilt. Mit dieser Veröffentlichung erreichte er schließlich weltweite Bekanntheit. Heutzutage gibt es weltweit Yogastudios mit seinem Namen, die dort den Iyengar Yoga Stil unterrichten. Iyengar starb im August 2014 in Indien.

Welche Philosophie steckt hinter dieser Art von Yoga?

Your body is your temple. Keep it pure and clean for the soul to reside in.

B. K. S. Iyengar

In diesem Stil geht um ein achtsames Zusammenspiel von Körper und Geist. Nur wenn das gesamte Wesen des Menschen vereint wird, kann er Gesundheit erreichen. Mit dem gesamten Wesen sind 5 Hüllen gemeint, aus denen unser Körper nach dieser Auffassung besteht.
Wir müssen uns um alle 5 Hüllen kümmern, sie pflegen und gut behandeln, damit wir gesund sein können – auf körperlicher und geistiger Ebene.
Dabei sind die Hüllen von außen nach innen angeordnet. Jede Hülle hat bestimmte Arten, sie zu reinigen und erst wenn die eine Hülle gereinigt ist, können wir in die nächste vordringen.

Unsere erste Hülle heißt “Annamaya Kosha”, die “Nahrungshülle”. Wir sind was wir essen, wir benötigen Nahrung zum leben und was wir unserem Körper an Nahrung geben oder nicht, wirkt sich auf seine Gesundheit aus.

Die zweite Hülle heißt “Pranamaya Kosha”. Prana bedeutet soviel wie Luft. Die Luft die wir atmen kann rein oder unrein sein. Auch zu wenig körperliche Betätigung führt zu einem Mangel an Sauerstoff und somit zu einer Verunreinigung dieser Hülle.

Die dritte Hülle heißt “Manomaya Kosha”. Es bezeichnet unsere Welt der Gedanken. Negative Gedanken oder Fixierung auf Schlechtes schädigt diese Hülle. Wir sollten achtsam mit unseren Gedanken umgehen.

Die vierte Hülle heißt “Vigyanmaya Kosha” und steht für soviel wie Erkenntnis oder Intuition. Wir schädigen uns, wenn wir nicht auf unser Bauchgefühle hören und nicht darauf vertrauen.

Die letzte Hülle heißt “Anandmaya Kosha” und ist die Hülle, die zuletzt und nur nach vorheriger Reinigung der anderen 4 Hüllen erreicht werden kann. Sie steht für reine Glückseligkeit.

Im Iyengar Yoga sollen also alle Hüllen gereinigt werden, um dem Menschen zu vollkommener Gesundheit zu verhelfen. Es ist ein Prozess, der sich wie eine Leiter vorgestellt werden kann. Eine Stufe muss nach der anderen erreicht werden. In diesem Stil wird das durch Asanas, Pranayama, Meditation, Mantras und Mudras erreicht.

Was kennzeichnet diese Art von Yoga?

Es gibt mittlerweile so viele Arten von Yoga, das es vor allem für Neulinge nicht leicht ist, den Überblick zu behalten. Vom Hatha Yoga aus, von dem sich auch der Iyengar Yoga ableiten lässt, haben sich verschiedenste Abzweigungen entwickelt, die alle unterschiedliche Schwerpunkte haben. Was macht nun also den Iyengar Yoga Stil aus? Hier kannst du über 3 Aspekte nachlesen, die typisch sind für diesen Yogastil und ihn kennzeichnen.

Fokus nach Iyengar – richtige Ausführung der Asanas

Mehr als in jedem anderem Yogastil wird im Iyengar Yoga höchster Wert auf die richtige Ausführung der Asana gelegt. Halte ich meinen Fuß beim Krieger im richtigen Winkel? Muss mein Kopf bei der Rückwärtsbeuge in den Nacken fallen oder schaue ich gerade aus? Wie ist die korrekte Fuß- und Beinstellung in der Kobra? Präzision heißt hier das Stichwort! Die Asanas werden relativ lange gehalten, um Zeit zu haben, jedes Körperteil richtig auszurichten. Der Lehrer läuft herum, schaut, korrigiert, gibt Hilfestellung.

Sehr beliebt bei Iyengar – Einsatz von Hilfsmitteln

Um diese Methode des Yogas wirklich allen, also auch Anfängern, Verletzten, schwächeren oder älteren Menschen zugänglich zu machen, werden großzügig sogenannte Props eingesetzt. Props sind Hilfsmittel, die euch dabei unterstützen, eine Asana korrekt auszuführen und / oder länger zu halten. Das können Blöcke, Gurte, Schlaufen in der Wand, Stühle oder Decken sein – alles was hilft, eine Asana an die individuelle Konstitution eines Schülers anzupassen, ist erlaubt. Übrigens – auch im Restorative Yoga werden großzügig Hilfsmittel eingesetzt – es ist aber ein ganz anderer, eigener Yogastil. Möchtest du mehr über diese Stil erfahren, kannst du im Artikel über Restorative Yoga nachlesen, was ihn kennzeichnet.

Yoga vom Groben zum Feinen

Zum Yoga gehört immer auch die bewusste Atmung – auch in diesem Stil ist das so. Doch im Iyengar Yoga wird zuerst darauf geachtet, dass die Schüler die Übungen richtig ausführen. Schon von Anfang an werden die Bewegungen zwar mit einer Ein- und Ausatmung synchronisiert, die schwierigeren Atemübungen werden aber erst später gelernt.

Was sind Wirkungen und Vorteile von Iyengar-Yoga?

Wie wirkt dieser Stil? Welche Effekte hat er auf meinen Körper und was macht er mit meinem geistigen Befinden? Welche Vorteile hat er gegenüber anderen Yogastilen?

Fangen wir mit Letzterem an: ein klarer Vorteil dieses Stils liegt auf jeden Fall darin, dass du die Asanas von Anfang an lernst, korrekt auszuführen. In schnelleren Stilen können sich leicht Fehler einschleichen und eigentlich weiß man oft gar nicht, dass man überhaupt Fehler macht – weil man nie gelernt hat, wie die Übung zu 100 % richtig ausgeführt wird.

In diesem Stil können auch eingeschränkte Personen gut mitmachen. Hast du zum Beispiel eine Beinverletzung und kannst manche Übungen nicht oder nur anders ausführen, wird der Lehrer die Asana an dich anpassen oder dir Hilfsmittel zur Verfügung stellen.

Des weiteren hat diese Form des Yoga einiges für unser Wohlbefinden zu bieten – sowohl für unser körperliches als auch unser geistiges.

Körperliche Wirkung

Yoga hat immer starke Auswirkungen auf unseren Körper. Jeder Yogastil hat dabei seine Besonderheiten. Der eine sorgt für eine tiefe Dehnung der Muskeln, Fasern und Bänder, der andere regt unseren Kreislauf an und sorgt für eine gute Kondition. Meist ist es eine Mischung aus beidem, jedoch sind die Schwerpunkte verschieden gesetzt. Im Iyengar-Yoga sind es vor allem diese Wirkungen, die du auf deinen Körper spüren wirst:

  • durch das lange Halten der Übungen stärkst du deine Muskeln
  • deine Flexibilität und Stabilität verbessert sich
  • verkürzte Muskeln, Sehnen und Bänder werden gedehnt
  • du lernst, deinen Körper genau zu spüren und auszurichten
  • besseres Körperverständnis

Geistige Wirkung

Da Yoga ein ganzheitlicher Ansatz ist, der immer auch auf unser geistiges Befinden wirkt, gibt es auch hier verschiedene Schwerpunkte. Es gibt sehr spirituell angehauchte Yogaformen, die stärker auf den Geist wirken. Andere Yogaarten legen den Fokus mehr auf das Körperliche, dennoch wird der Geist auch in solchen Yogaformen immer mit angeregt. Hier findest du die Wirkungen, die du durch Yoga nach Iyengar auf deinen Geist erreichst:

  • du verbesserst deine Achtsamkeit und Konzentration
  • du beruhigst deinen Geist
  • du bringst Körper und Geist in Balance
  • tief sitzende Spannungen werden gelöst
  • ein Gefühl des “geerdet sein” entsteht
  • Ausgeglichenheit und Entspannung

Was kann ich von einer Iyengar Yogastunde erwarten?

Eine Yogastunde nach Iyengar ist meist nach dem gleichen Schema aufgebaut. Je nach Schwerpunkt der Stunde können dabei die einzelnen Abschnitte länger oder kürzer gestaltet sein.

Es wird keinen richtigen Flow wie im Vinyasa Yoga geben, also einen fließenden Übergang von einer zur nächsten Haltung, geben, da die Asanas recht lange gehalten werden. Die Reihenfolge der Stellungen ist nicht vorgeschrieben, so dass du jedes mal eine neue Kombination erwarten kannst.

Du wirst lernen, dich ganz genau auf deinen Körper zu konzentrieren und dadurch seine Stärken und Schwächen kennen lernen. Da der Fokus auf der richtigen Ausführung der Asanas liegt, merkst du schnell, ob du zum Beispiel eher Defizite im Rückenbereich hast oder dir Muskelkraft in den Beinen fehlt.

Du erhältst eine gute Anleitung und Erklärung durch den Lehrer. Die speziell in der Iyengar Methode ausgebildeten Lehrer sind darauf trainiert, dir Variationen zu zeigen oder dich durch Hilfsmittel zu unterstützen.

Typischer Ablauf einer Yoga – Stunde

  1. Einstimmung
    Die Unterrichtsstunde beginnt meist im Sitzen mit einer kleinen Einstimmung. Der Körper wird mit Aufwärmübungen vorbereitet und vor gedehnt. Die Schüler haben die Möglichkeit, sich von ihrem Alltag zu distanzieren, Sorgen loszulassen und sich auf die bevorstehende Yogastunde einzustimmen.
  2. Stehhaltungen
    In der nächsten Phase werden hauptsächlich stehende Asanas eingenommen. Damit wird der Körper aktiviert und sowohl seine Kraft als auch seine Balance angesprochen. Auch die Konzentration und Flexibilität wird hier gefordert und gefördert.
  3. Fokussierung
    Hier wird gerne noch eine bestimmte Kategorie von Asanas in den Mittelpunkt gerückt. Das können in der einen Woche Vorwärtsbeugen sein die den Rücken und die Beine dehnen, in der nächsten Woche sind es stehende Twists die sowohl die Beinkraft als auch die Flexibilität der Wirbelsäule beanspruchen.
    Durch diese Vertiefung einer Gruppe von Übungen können die spezifischen Wirkungen auf Körper und Geist intensiv bewusst gemacht und wahrgenommen werden.
  4. Zur Ruhe kommen und Entspannung
    Zuletzt werden eine Abfolge von Umkehrhaltungen und Dehnungen gemacht. Diese bringen den Körper und Geist zur Ruhe und runden die Stunde ab.
    Danach folgt die Schlussentspannung in Shavasana, bei der sich der ganze Körper entspannen darf, keine Anspannung mehr im Körper ist und man seinen Körper schwer in der Matte spüren darf.

Für wen ist Iyengar-Yoga geeignet?

Das tolle an diesem Stil ist, dass er sich wirklich für jeden eignet. Egal ob man ein Anfänger ist, der noch nie etwas mit Yoga zu tun hatte oder ein Fortgeschrittener, der schon lange Yoga macht und nun seine Praxis verfeinern möchte oder einfach mal etwas Neues probieren will. Oder auch für Leute die denken, “ich bin doch viel zu ungelenkig für Yoga” oder die, die andere Einschränkungen haben, ist es eine geeignete Yogaform! Lese hier, warum der Yogastil für jede dieser genannten Gruppen passend ist.

Für Anfänger

Anfänger profitieren hier ganz deutlich davon, dass sie die Haltungen des Yogas von Anfang an lernen, korrekt auszuführen. Durch das lange Halten der Asanas haben sie genug Zeit, diese nachzuvollziehen und sich in die richtige Position zu bringen. Der Lehrer gibt Anweisungen, macht vor und hilft in die Stellung. So können sich erst gar keine Fehler einschleichen und falls du mal einen schnelleren Stil wie Vinyasa Yoga ausprobieren möchtest, wird du bei dem fließendem, schnellem Wechsel von Asana zu Asana keine Schwierigkeiten haben.
Wenn man noch nicht so gelenkig ist oder nicht ausreichend Kraft hat, können Hilfsmittel wie Gurte oder Blöcke dabei helfen, die Asana trotzdem gesund für den Körper einzunehmen. Sie können auch so variiert werden, dass jede Stellung auch von einem Anfänger eingenommen wird.
Oft für Anfänger auch angenehm, das anstrengende Atemübungen erst nach einer längeren Praxis gefordert werden.

Für Fortgeschrittene

Für Menschen, die schon längere Zeit Yoga praktizieren ist der Stil eine gute Möglichkeit, tiefer in ihre Praxis einzutauchen. Sie können die Asanas hier in Perfektion lernen und bereits eingeschlichene Fehler korrigieren. Das lange Halten der Stellungen stellt auch für Könner eine Herausforderung dar.

Für verletzte Personen

Iyengar-Yoga ist DIE Yogaform für Personen, die körperliche Einschränkungen haben. B. K. S. Iyengar legte großen Wert darauf, dass es ein Stil ist, der auch von diesem Personenkreis ausgeführt werden kann. Die Hilfsmittel helfen dabei, auch bei körperlichen Beschwerden die Asanas einnehmen zu können. Dabei wird auf die individuelle körperliche Konstitution geachtet und dementsprechend angepasst, variiert oder mit Hilfsmitteln unterstützt. Durch die langsamen Bewegungen ist ausreichend Zeit gegeben, um bewusst und achtsam von Stellung zu Stellung zu kommen, was bei körperlichen Einschränkungen von Vorteil sein kann. Zudem ist das Konzept von Iyengar Yoga darauf ausgerichtet, kranke Menschen zu heilen. Die Lehrer sind extra darauf geschult und nehmen Rücksicht auf individuelle Bedürfnisse ihrer Schüler.