Jnana Yoga

Jnana Yoga ist Yoga des wahren Wissens. Über den Weg der Erkenntnis wollen Jnana Yoga Anhänger Erlösung erlangen. Unwissenheit gilt nach Jnana Yoga als Ursache von allem Probleme – daher ist Ziel von Jnana Yoga, über den Weg des Wissens zu Erkenntnis zu gelangen, was wiederum zur Erlösung des Kreislauf der Wiedergeburten führen soll. Erreicht wird das über 4 Mittel der Erlösung (im Blog weiter unten zu finden), unter anderem indem Brahman, das Unveränderliche, erkannt wird. Jnana bedeutet übersetzt Erkenntnis. Gemeint ist in diesem spirituellem Yogastil damit aber nicht pures ansammeln von Wissen, sondern Weisheit, die nur durch das Erkennen des wahren Kern eines Gedanken oder einer Handlung entstehen kann. Jnana Yoga oder auch “Yoga der Erkenntnis” zählt zu einem der vier Hauptfade des Yoga. Die anderen sind Karma Yoga, Bhakti Yoga und Raja Yoga. Sie finden alle Erwähnung in der Bhagavad Gita, eine uralte und eine der bedeutendsten Schriften des Hinduismus und des Yoga.

Jnana Yoga
Jnana Yoga lässt dich weise werden

“Wer bin ich?”, “Wo komme ich her?”, “Woher kommt die Welt”, “Was ist real und was ist nur Schein?”
All das sind Fragen, mit denen sich Jnana Yoga auseinandersetzt.


Jnana Yoga (auch Jnanamarga genannt) zählt somit zu einem der ältesten Wege des Yoga und gilt als der am schwierigsten zu bestreitende! Eine sehr spannende Yoga Art.

Es entstammt den Lehren der Advaita Vedanta, dem letzten Abschnitt der Veden aus den Upanishaden. Die Upanishaden beschäftigen sich mit der absoluten Wirklichkeit, die es zu erkennen gilt. Die Vedanta lehrt, wie man sein wahres Selbst finden kann in dem man sich von falschen Vorstellungen und Konzepten trennt. Jnana Yoga und Bhakti Yoga sollen demnach die besten Wege sein, um zu erweitertem Bewusstsein und im letzten Schritt zur Erleuchtung zu gelangen.

Was ist Jnana Yoga?

Es ist eher eine intellektuelle Form des Yoga, in der, anders als im Hatha Yoga oder Asthanga Yoga keine Asanas oder Atemtechniken praktiziert werden. Es geht letztendlich darum, Wirklichkeit von Unwirklichkeit zu unterscheiden und zu spiritueller Erkenntnis zu gelangen.
Dies soll durch die Auseinandersetzung mit (Yoga-) philosophischen Texten geschehen, wodurch ein Prozess der Selbsterkenntnis angeregt wird. Jedoch nicht in dem Sinne, Wissen anzusammeln sondern durch das Wissen zu Weisheit zu gelangen.

Es geht also nicht darum, Texte über Texte zu verschlingen um möglichst viel Hintergrundwissen anzuhäufen. Oder darum, dieses Wissen mit anderen zu teilen und weiterzugeben.
Es geht um das Hinterfragen des Gelesenen und vor allem darum, das Gelesene selbst zu erfahren. Nur durch die eigene Erfahrung des Gelesenen kann man es wirklich verstehen und wissen, was damit gemeint ist.

Klingt erstmal ziemlich abstrakt, oder? Hier ein Beispiel um es zu vereinfachen:

Du möchtest wissen, was Yoga bedeutet. Hierzu liest du nach und findest heraus, dass Yoga die Verbindung von Geist, Körper und Seele ist.
Schön, jetzt hast du dieses theoretische Wissen und eine Definition. Diese kannst du anderen weitergeben.
Doch hast du selbst diesen Zustand erlebt, wenn dein Körper, dein Geist und deine Seele im Einklang sind? Wie fühlt sich das an? Wie erreichst du diesen Zustand?

Es geht also um viel mehr als bloßes Wissen. Nur was du selbst erfahren hast, lässt dich von einem Wissenden zu einem Weisen werden und so zur Selbsterkenntnis kommen.

Im Jnana Yoga geht es also um spirituell Entwicklung. Die Welt wird als eine Illusion gesehen. Durch verschiedene Methoden soll gelernt werden, diese Illusion zu durchschauen und das Wahre zu erkennen.

Es geht auch darum, aus dem Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt auszubrechen, im Sanskrit als “Moksha” bezeichnet.

Der Bezug zum Hinduismus

Im Hinduismus wird Jnana Yoga praktiziert, um einen Weg zur Erlösung von den Wiedergeburten zu erlangen. Nach hinduistischem Verständnis ist Unwissen, in Sanskrit “Avidya” die Wurzel dessen, was zu immer wiederkehrender Wiedergeburt führt. Das Streben nach Erkenntnis und Wahrheit dient dem Ziel, aus diesem Kreislauf auszubrechen und zu Erleuchtung zu gelangen. Nach der hinduistischen Auffassung schlummert diese Wahrheit bei allen Menschen im Unterbewusstsein und es gilt, sie ins Bewusstsein zu rücken.

Was benötige ich für diese Art von Yoga?

Um Jnana Yoga zu praktizieren, benötigt es einen starken Willen und ein gutes Urteilsvermögen. Dieser Weg beinhaltet eigenständiges Denken, Hinterfragen von Dingen, (Selbst-) Reflexion und sich selbst in Frage stellen. Auch benötigt man die Fähigkeit, seine Gedanken und seine Angewohnheiten zu kontrollieren und bewusst zu lenken.

Du solltest offen sein gegenüber Spiritualität und bereit sein, über dich selbst nachzudenken. Auch auf das in Frage stellen von Dingen, die du bisher einfach so hingenommen hast, solltest du neugierig sein. Kundalini Yoga könnte übrigens auch interessant für dich sein, wenn du dich sowohl für Spiritualität als auch der Erweckung von Energie interessierst.

Es werden hier keine Asanas ausgeführt. Der Weg zur Erkenntnis sollte gemeinsam mit einem erfahrenen Lehrer begangen werden. Dort werden Fragen besprochen wie “wer bin ich?” oder “wo komme ich eigentliche her?”. Mit tiefen Meditationen und Analysen des eigenen Selbst werden Antworten gefunden. Dabei gibt es 4 Schritte, die wie ein Zyklus aufgebaut sind und beim Finden der Antworten helfen sollen.

Wie kann ich mit Jnana – Yoga vom Wissen zu Weisheit gelangen?

Es gibt 4 Phasen, um von bloßem Wissen dazu zu kommen, dass es tatsächlich in unserem Bewusstsein und unserer Erfahrung angekommen ist. Diese 4 Phasen sind Shravana, das Zuhören, Manana, das Wiederholen und reflektieren, Nididhyasana, Meditation und Verwirklichung und Anubhava, die Erkenntnis oder Wahrheit.

Shravana

Hier geht es um das Zuhören, also Wissen über zuhören aufzunehmen oder auch durch Lesen. Es geht darum, dass in diesem ersten Schritt dem Guru (dem Lehrer) zugehört wird, wenn er sein Wissen preis gibt. Und zwar voller Offenheit und echtem Interesse.

Manana

Im zweiten Schritt geht es um einen Austausch über das Gehörte. Durch das darüber sprechen soll das vorher vermittelte Wissen wiederholt und verinnerlich werden. Gedanken können beigetragen werden und mit dem Guru besprochen werden. Damit wird sicher gestellt, dass das Wissen aus dem ersten Schritt verstanden wurde.

Nididhyasana

Im dritten Schritt wird eine tiefe Meditation durchgeführt. Sie soll dabei helfen, sich für das neu Gelernte zu öffnen um es schließlich in sein Handeln zu übernehmen.

Anubhava

Der letzte Schritt bezeichnet die Vollendung. Du gelangst zur Erkenntnis, begreifst viele Dinge und kannst Wahrheit von Unwahrheit unterscheiden.

4 Mittel die den Weg zur Erkenntnis kennzeichnen

Es gibt vier Mittel, die den Weg zur Erkenntnis kennzeichnen. Sie bauen systematisch aufeinander auf:

  1. Viveka
    Damit ist die Unterscheidung zwischen Vergänglichem und Unvergänglichem gemeint
  2. Vairagya
    Wir sollten uns lösen von vergänglichen Werten. Sie werden überbewertet und beeinflussen häufig unser Denken und Handeln
  3. Shad-sampat
    Wir sollten bestimmte 6 positive Fähigkeiten in uns stärken beziehungsweise gewinnen:
    – Sinneskontrolle
    – Geisteskontrolle
    – Vermeidung negativer Handlungen
    – Ausdauer
    – Glaube
    – eigene geistige Einheit
  4. Mumukshutva
    Wünsche und Verlangen, die einem für gewöhnlich wichtig waren, treten in den Hintergrund. An erste Stelle rückt nun der Wunsch nach innerer Befreiung und dem Erkennen von Wahrheit.

Diese 4 Schritte bauen aufeinander auf und es gilt, einen nach dem anderen zu erreichen.

Was kann mir Jnana-Yoga geben?

Wie du jetzt erfahren hast, ist Jnana Yoga kein Yogastil, der auf der Yogamatte statt findet. Du machst keine körperlichen Übungen, keine Asanas und benötigst dafür keine deiner Muskeln – außer die, die zu zum aufrechten Sitzen beim Meditieren benötigst. Fragst du dich nun, warum es überhaupt Menschen gibt, die trotzdem diesen Weg gehen? Die sich damit auseinander setzen und Bücher darüber lesen? Oder es bereits praktizieren? Warum ist es eine uralte Tradition, die auch heute noch Beachtung findet? Es muss also einen Sinn und eine Wirkung auf uns haben!

Welche Wirkungen hat es auf mich?

  1. Auf meine Gesundheit
    Klar, du stärkst im Jnana Yoga nicht deine Muskeln oder dehnst deine Bänder. Dieser Yogastil eignet sich nicht als ganzheitliches Gesundheitsprogramm mit dem du rundum fit und ausgeglichen bleibst.
    Doch die Auseinandersetzung mit wichtigen Fragen, die uns früher oder später alle beschäftigen, kann sich positiv auf unsere geistige Gesundheit auswirken. Du klärst deine eigenen Gedanken, ordnest sie, hinterfragst sie. Du setzt dich mit deinem Selbst und deinem Leben auseinander. Dadurch kann eine Änderung von Verhaltensmustern und Denkweisen erreicht werden, die sich positiv auf dein Leben und dein Wohlergehen auswirken können. Vielleicht wirst du alte, negative Sichtweisen ändern. Oder du fängst an, anders zu denken, vielleicht ein wenig positiver. Oder du bleibst mehr bei dir selbst und lässt dich nicht mehr so leicht von anderen Meinungen beeinflussen.
    Auch die Ernährungsform wird in diesem Yogastil hinter. Achtsamkeit bei der Ernährung spielt im Jnana-Yoga nämlich eine Rolle. Hintergrund ist, dass unser Körper gesund gehalten werden um die geistigen Fähigkeiten bestmöglich zu erhalten. Viele Anhänger des Jnana-Yoga ernähren sich daher vegetarisch oder vegan.
  2. Auf mein Denken
    Wie bereits unter dem ersten Punkt erwähnt, wird sich dein Denken verändern. Du erhältst neue Denkanstöße, rückst dein Denken zurecht, entdeckst neue Sichtweisen. Du siehst Dinge in einem neuen Licht und hinterfragst, was wirklich wichtig ist und was überflüssig ist.
    Wenn du vielleicht sowieso ein Mensch bist, der sich gerne spirituelle Gedanken um unsere Wirklichkeit und unser Dasein macht, findest du hier neue Impulse dazu und kannst diese in deinem Alltag integrieren.

Ein Schlussgedanke:
Jnana Yoga ist ein sehr spiritueller Weg und nichts für diejenigen, die sich vom Yoga ein Ganzkörpertraining für Körper und Geist erwarten. Doch es ist ein guter Stil, um das Leben zu hinterfragen, sich Gedanken zu machen und neue Antworten zu finden. Man erhält neue Denkanstöße und wird sich im Alltag immer wieder dabei ertappen, wie man Dinge auf einmal in einem anderen Blickwinkel betrachtet oder beginnt, gewöhnliche Handlungen oder Denkweisen zu hinterfragen.
Es ist also ein Weg des Yoga, der dich ganz schön beeinflussen und ändern kann. Doch niemand, der mit diese Art des Yoga beginnt, muss soweit gehen! Auch wenn du nur lernst, genau und gut zuzuhören wenn dir etwas erzählt wird und dann noch einen Schritt weiter gehst und beginnst, das Erzählte (oder Gelesene) zu hinterfragen, hast du bereits etwas gewonnen. Oder auch, wenn der Effekt auf dich ist, dass du Gelerntes selbst erfahren möchtest um tatsächlich sagen zu können “ja, ich weiß wirklich was damit gemeint ist weil ich es selbst erfahren habe”, kann das einen Vorteil für dich und dein Leben haben.
Probiere es einfach mal aus – nehme an einem Kurs dazu teil oder lerne erstmal mehr in einem Buch darüber, wenn du Bedenken hast dass es zu spirituell für dich sein könnte. Es gibt ja auch noch viele viele andere Yogastile, die dann passender für dich sein könnten – auch spirituelle, die jedoch andere Schwerpunkte setzen.